Pausentagebuch Judith

Was ich in der Pause gemacht habe? Na, Pause hab ich gemacht. Falls man Wal –ähnlich auf dem Sofa herumliegen, über der Kloschüssel hängen, zu Ärzten rennen und hirnlose Internet –Impulskäufe tätigen („ … aber unbedingt brauchen wir ein Hopseteil für in den Türrahmen!“) als Pausemachen bezeichnen möchte.

Ursprünglich war das natürlich anders gedacht. Nicht das mit dem Baby, das war volle Absicht. Aber natürlich dachte ich mir, dass ich nebenher das Folgende machen würde:

- Einen Roman schreiben

- Den Gegenwert von mindestens einer kompletten Platte voller Lieblingssongs übersetzen

- Mit anderen Leuten Songs schreiben

- Für andere Leute Songs schreiben

- Musicals übersetzen

- Jede Woche auf Konzerte gehen

- Gesangsunterricht nehmen

- Gitarrenunterricht nehmen

- Sport machen

- Kolumnen schreiben

- Die zwei Jahre alten Umzugskartons in dieser unwirtlichen, dunklen Ecke der Wohnung auspacken

- Sachen zum Anziehen entwerfen

- Lange Urlaub machen, vorzugsweise in exotischem Land.

- Und neben all dem natürlich wahnsinnig viel Zeit mit meinem Sohn verbringen.
 

Gemacht habe ich davon am Ende das Folgende:

- Ungefähr drei Seiten von einer Geschichte schreiben, die vielleicht irgendwann,  in einem anderen Leben, mal die Keimzelle von einem Roman sein könnte.

- Einen Haufen Songs beinahe fertig übersetzen. Das dann doch!

- Mit Jean und Christoph (unserem Trompeter) ein paar Songs für Christophs Band Tanner schreiben.

- Zwei Heldensongs schreiben

- Musicals gucken. Und mitsingen.

- zum Fleetfoxes -Konzert gehen.

- Fünf Stunden Gesangsunterricht nehmen und das Unterfangen dann nach Schwindelattacke und beherztem Hintenüberkippen auf´s Sofa abbrechen.

-  Sechs Stunden Gitarrenunterricht nehmen, Riesenspaß haben, Liebe zur Gitarre als Picking- und Countryinstrument wiederentdecken – und dann, in einer bestechenden Logik, feststellen, dass ich in dieser Band für´s  Erste nicht mehr Gitarre spielen will. (Klingt komisch, ergibt für mich aber tatsächlich Sinn. Weil ich so den privaten Spaß am Vormichhingrützen wiederfinden kann, ohne den Druck im Nacken, Rhythmusgitarristin in einer Band zu sein, die bei Rock am Ring spielt.)

- Ungefähr drei Stunden Sport machen und mich danach ächzend und final auf eben jenes Sofa zurückziehen.

- 25 Kilo zunehmen

- Über Kolumnen nachdenken

- Keine Umzugskisten auspacken, dafür tütenweise Friedrichs Babysachen in neue Kisten einsortieren und mit Inventurlisten zu versehen. Und dabei murmeln: „… weißt du noch, wie man beim ersten Kind am Ende durchdreht und in diesen völlig realitätsentfremdeten Nestbau -Modus verfällt? Haha!“

- Sachen zum Anziehen wegwerfen.

- Zwei Wochen Urlaub bei den Omas machen.

- Wahnsinnig viel Zeit mit meinem Sohn verbringen – meist fiepend einem Laufrad hinterherwackelnd und Fremde mit Blicken anflehend, sie mögen das Flitzekind in Rugby –Manier niederwerfen und davon abhalten, auf die Straße zu fahren.

Schön war´s! Was ich allerdings tatsächlich ausgiebig gemacht habe, weil außerordentlich Sofa –kompatibel, ist Musikhören. Vorzugsweise in den Abendstunden, alleine mit Pola, einträchtig mit Kopfhörern nebeneinander. Ganze Alben durch. Oder aber, weil dass den Mann eher nervt, alleine stundenlang meine neuen und alten Lieblingskünstler youtuben und mir jedes Interview und jedes Duett angucken, dass jemals von ihnen aufgezeichnet wurde. The pregnant Woman`s musical Fortbildung. Und eine wunderbare Art, die zweckfreie, unprofessionelle, unverhunzte Musikliebe wieder zu kultivieren und fest im Leben zu verankern.

Das hier, so ungefähr, war der Soundtrack meiner Pause:

Fleet Foxes

Sufjan Stevens

Ramona Falls

Martha Wainwright

Dr House Soundtrack

Diverse Alternative Country Sampler

Regina Spector

Dolly Parton

Joni Mitchell

Loudon Wainwright II

Townes Van Zandt
 

Viel Spaß beim Nachhören. Aber Achtung: macht dick.

Judith